Wie alles begann
Manche Geschäfte öffnen mit einem Geschäftsplan. Wir öffneten mit einer Frage: Was wäre, wenn Ton-Lernen nicht frustrierend sein müsste?
Im Herbst 2019 saßen drei Menschen in einem halb leeren Lagerraum in Berlin-Neukölln. Zwischen ihnen: zwanzig Kilo ungeformter Ton, eine gebrauchte Töpferscheibe aus dem Internet und die vage Idee, dass Keramik-Unterricht anders funktionieren könnte.
Keiner von uns hatte ein Kunststudium. Anna war Grafikdesignerin, die an Wochenenden Schalen formte. Michael kam aus der Architektur und suchte nach etwas Handfestem. Ich selbst hatte Jahre im Projektmanagement verbracht und merkte irgendwann, dass ich lieber mit Händen als mit Spreadsheets arbeiten wollte.
Der erste Kurs
Wir hatten keine Ahnung, ob jemand kommen würde. Die Anzeige auf einem lokalen Forum war simpel: "Ton formen lernen, ohne sich dumm zu fühlen." Sechs Menschen meldeten sich an. Vier blieben die ganzen acht Wochen.
Was wir schnell merkten: Die meisten hatten woanders schlechte Erfahrungen gemacht. Kurse, die zu schnell vorangingen. Lehrer, die ungeduldig wurden. Die Erwartung, dass alle im selben Tempo lernen.
Also änderten wir die Regeln. Jeder arbeitet in seinem Rhythmus. Es gibt keine dummen Fragen. Fehlschläge werden diskutiert, nicht versteckt. Diese Prinzipien gelten bis heute.
Was uns anders macht
Kleine Gruppen
Maximal sechs Personen pro Kurs. Das ist nicht verhandelbar. Wir haben es mit acht versucht – es funktioniert nicht. Bei sechs hat jeder genug Raum und Aufmerksamkeit.
Keine Eile
Manche Teilnehmer brauchen drei Sessions für ihre erste Schale. Andere machen fünf Stücke in der ersten Woche. Beide Geschwindigkeiten sind richtig. Der Ton diktiert das Tempo, nicht der Lehrplan.
Offene Türen
Nach Abschluss eines Kurses können Alumni die Werkstatt gegen eine kleine Gebühr weiter nutzen. Viele unserer besten Teilnehmer sind seit Jahren dabei und entwickeln sich kontinuierlich weiter.
Ehrlichkeit über Perfektion
Wir zeigen unsere eigenen Fehlschläge. Die Regale in der Werkstatt sind voll von Stücken, die nicht funktioniert haben – rissige Schalen, zusammengefallene Vasen, Glasuren, die falsch reagierten. Sie sind Teil des Lernprozesses.
Wer heute unterrichtet
Aus den ursprünglichen drei sind inzwischen fünf geworden. Jeder bringt einen anderen Hintergrund und eine andere Perspektive mit.
Anna Richter
Gründerin und Leiterin. Spezialisiert auf Handaufbau und organische Formen. Ihre Stärke: Sie sieht sofort, wo ein Stück Unterstützung braucht, ohne die Vision des Schaffenden zu überschreiben.
Michael Vogel
Mitgründer und Scheiben-Spezialist. Ehemaliger Architekt, der Präzision mit Intuition verbindet. Unterrichtet hauptsächlich die fortgeschrittenen Kurse.
Lisa Neumann
Kam 2021 als Teilnehmerin, blieb als Lehrende. Expertin für Glasuren und Oberflächenbehandlung. Ihre Kurse sind bekannt für chemische Tiefe ohne akademische Trockenheit.
David Park
Skulpturaler Keramiker aus Seoul, seit 2023 in Berlin. Bringt koreanische Techniken und eine ganz eigene Ästhetik mit. Seine Kurse sind philosophisch, aber nie abgehoben.
Jana Schmidt
Die Jüngste im Team. Studierte Kunstpädagogik, fand aber klassische Lehrformen einengend. Unterrichtet vor allem die Einsteigerkurse mit einer Mischung aus Struktur und Spielraum.
Warum "boardbande"?
Der Name war ein Zufall. An einem der ersten Abende saßen wir nach einem Kurs zusammen, tranken Bier aus missglückten Bechern und diskutierten Namen. Hundert Ideen, alle entweder zu prätentiös oder zu banal.
Michael kritzelte Wörter auf ein Stück Papier, spielte mit Silben. "Board" wie ein Holzbrett, "Bande" wie eine Gruppe. Zusammen ergab es einen Klang, der nach nichts klang, was wir kannten. Keine Bedeutung, keine Erwartung. Nur ein Name, der Raum für das lässt, was wir daraus machen.
Das hat funktioniert. Niemand fragt mehr, was es bedeutet. Es bedeutet einfach: unsere Werkstatt, unsere Methode, unsere Community.
Teil dieser Geschichte werden
Wir sind keine große Institution und wollen es auch nicht werden. Aber für diejenigen, die ankommen, ist hier Platz.